Kommunikationsdesignerin Haike Boller engagiert sich in ihrer Agentur für Vielfalt, Soziales, Umwelt und internationale Entwicklung

Frau stemmt teil eines Baumstamms.
Haike Boller, gesehen mit dem Blick von Fotografin Cornelia Renson.

Die Kommunikationsdesignerin Haike Boller kenne ich vom Sehen schon lange. Ihre Design-Agentur liegt fünf Gehminuten von meinem Text-Büro entfernt und wir kaufen in denselben Naturkostläden ein.

Dennoch wusste ich viele Jahre lang nicht, was sie beruflich macht. Erst im vergangenen Sommer kamen wir durch eine gemeinsame Bekannte miteinander ins Gespräch und entdeckten viele Überschneidungen.

Wir arbeiten beide in der Kultur- und Kreativwirtschaft, beobachten die Politik, lieben Kunst und setzen uns seit Jahrzehnten für Vielfalt, Soziales und Umweltschutz ein. Jede auf ihre Weise und im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Doch während ich als Einzelunternehmerin unterwegs bin, projektweise verbunden mit Netzwerkpartnerinnen, ist Haike Inhaberin einer Agentur mit sechs festen Mitarbeitern. In diesem Jahr feiert sie ihr 20-jähriges Agenturjubiläum.

Gestaltung für die Umwelt

Haike beschäftigte sich bereits im Grundstudium mit Umweltthemen. „Mein erstes Projekt war die Gestaltung eines Ausstellungsstandes zum ‚Tag des Wassers‘ für die Stadt Wiesbaden in der Fußgängerzone“, erzählt Haike. Damals war sie noch Studentin an der Hochschule RheinMain.

Die Studis sollten im Laufe des Projekts lernen, wie man ein Thema ins Bild setzt und wie der Produktionsprozess abläuft.

„Ich lernte ein Gestaltungskonzept zu realisieren, Layout für Plakate und Stand, Projektplanung, die Erstellung von Timings, Kostenkalkulation und Materialbeschaffung. Welche Bilder, Grafiken, Schriften und Farben passen am besten zum Thema? Wie setze ich alle Gestaltungselemente so zueinander in Beziehung, dass ein stimmiger und aufmerksamkeitsstarker Gesamteindruck entsteht, der viele Besucher an den Stand lockt. Wie ist die Größe und Beschaffenheit der Plakatwand? Was ist das richtige Material? Welches Druckverfahren ist am besten geeignet? So ganz nebenbei übte ich mich an diesem Projekt natürlich auch in Abstimmungsprozessen mit Auftraggebern. In diesem Fall Mitarbeitern der Stadt.“

Ein Faible für Editorial Design

Im Hauptstudium entwickelte Haike ein Faible für Editorial Design. Bis heute entwickelt sie gerne Broschüren, Zeitschriften und Magazine.

„Erstausgaben sollen die Aufmerksamkeit auf ein neues Produkt oder Thema ziehen. Sie dienen gerade bei regelmäßig erscheinenden Publikationen auch als Basis für alle folgenden Ausgaben. Neben dem Design spielt natürlich auch die Produktion innerhalb eines bestimmten Zeit- und Kostenrahmens eine wichtige Rolle.“

Die Produktion von Print-Produkten ist aufwändig. Alles folgt einer ausgeklügelten Marketingstrategie. Druck ist, im Vergleich zu Online-Projekten, teuer und nicht zu korrigieren. Da will jedes Detail sorgsam bedacht werden.

Markt, Zielgruppe und Wettbewerber müssen ganz genau analysiert werden. „Was gibt es schon? Was kommt an? Was könnte man besser oder anders machen, sind Fragen, die es zu klären gilt“ sagt Haike.

Im ersten Schritt geht es darum ein Ziel zu entwickeln. Will man ein neues Thema oder Produkt bekannt machen? Oder soll ein bekanntes Thema/ Produkt auf eine neue Art und Weise präsentiert werden? – Möglicherweise will man eine neue Zielgruppe für ein bekanntes Thema erschließen.

Erst wenn all diese Fragen geklärt sind, geht es an die Gestaltung. Egal, ob Haike an Projekten im Bildungsbereich, in der Kultur, Ökologie oder Sozialwesen arbeitet. Ihre Anregungen holt sie sich gerne in der Kunst.

Kunst und Vielfalt als Inspirationsquelle

Seit 2000 nutzt Haike die Räume ihrer Agentur als Ausstellungsfläche. In unregelmäßigen Abständen lädt sie Künstler ein, ihre Arbeiten zu zeigen.

„Ich finde es wichtig, sich auch mit anderen kreativen Positionen auseinanderzusetzen. Das inspiriert. Wir nehmen je nach Art der Bilder eine besondere Energie in den Agenturräumen wahr. Das wirkt sich auf unsere eigene Arbeit aus und lässt uns immer wieder auf andere Weise kreativ sein.“

Ein weiterer prägender Faktor ist die Zusammensetzung des Teams. „Ich achte bei der Auswahl der Mitarbeiter auf Vielfalt,“ sagt sie. „Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen haben oft verschiedene Wahrnehmungsgewohnheiten und unterschiedliche Herangehensweisen an den kreativen Prozess.“

Kreative bei der Arbeit

In täglichen Meetings bespricht das Team laufende und anstehende Projekte und gibt sich gegenseitig Input. „Das ist sehr bereichernd für den Einzelnen und unsere gemeinsame Arbeit. Wir hinterfragen und lernen immer wieder anders zu wahrzunehmen und zu denken.“

Doch natürlich geht es bei einer Agentur-Chefin nicht immer nur um´s Tagesgeschäft. Haike sorgt auch für ihre Mitarbeiter, denkt an die Umwelt und engagiert sich für die Gesellschaft.

Einsatz für Pflege und nachhaltiges Design

Haike ist Unterzeichnerin der Charta für Beruf und Pflege. Die Unterzeichner dieser Charta treten für eine bessere Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und der Pflege von Familienangehörigen ein. Das macht sich in der Agentur vor allem in der Organisation der Arbeit bemerkbar.

Die Charta für nachhaltiges Design, die Haike ebenfalls unterzeichnet hat, steht für umweltschonende, sozial verträgliche und wirtschaftliche Gestaltung von Entwicklungs- und Produktionsprozessen.

Die Punkte, die es zu beachten gilt, reichen von Ökostrom und energiesparenden Rechnern in der Agentur über die Nutzung von Recyclingpapier und umweltfreundlicher Farbe in der Druckerei bis zur Mehrfachverwendbarkeit von Werbematerialen beim Kunden, erklärt Haike.

„ich habe bereits vor zehn Jahren gemeinsam mit meinen Mitarbeitern und einer externen Supervisorin Leitlinien für eine ganzheitliche und nachhaltige Unternehmenskultur entwickelt.“ In Folge entstand der Claim der Agentur. „Nachhaltig. Einzigartig. Zukunftsorientiert.“

Politisches und gesellschaftliches Engagement

Haikes Engagement endet nicht an der eigenen Haustür. In der Gesellschaft für internationale Entwicklung (Society for International Development – kurz SID) sitzt sie im Vorstand des Frankfurt-Chapters.

„Die SID versteht sich als Netzwerk an der Schnittstelle zwischen Gesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Entwicklungspolitik. Mit unseren Veranstaltungen setzen wir uns für eine gleichberechtige, friedliche und nachhaltige menschliche Entwicklung ein.“

Die SID informiert und klärt auf. Das letzte Event des Netzwerks fand im vergangenen Jahr in den Räumen der IHK Frankfurt statt. Dabei drehte sich alles um den Brexit und seine Folgen für die Welt.

Mehr über Haikes Arbeit erfahrt Ihr auf der Website ihrer Agentur Ansicht.

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