Ab 2017 Pflicht: der Nachhaltigkeitsbericht

Eröffnungsbild der VeranstaltungNachhaltiges Wirtschaften ist für mich selbstverständlich. Seit ich denken kann, esse ich, so weit wie möglich, Bio-Lebensmittel, verwende Naturkosmetik und trage Fair-Trade-Kleidung. Ich nutze Öko-Strom, achte auf geringen Energieverbrauch und wenn die Wand mal einen Anstrich braucht, besorge ich umweltfreundliche Farbe. Auf meinem Balkon wachsen Demeter-Pflanzen, genährt von Kräuterdünger. Ich besitze kein Auto, sondern nutze öffentliche Verkehrsmittel. Natürlich ziehe ich dieses Prinzip auch im Büro durch.

Die Nachhaltigkeitsstrategie der EU, beschlossen 2001, kommt daher für meinen persönlichen Geschmack ein bisschen spät, aber – sie ist da . Und ihre Umsetzung muss ab 2017 dokumentiert werden. Rund 600 große Unternehmen in Deutschland sind von Gesetzes wegen verpflichtet nun jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht vorzulegen. Damit stehen auch ihre Zulieferer in der Pflicht.

Doch wie muss so ein Nachhaltigkeitsbericht aussehen? Ein Workshop am Praxistag des CSR Regio Net (Netzwerk für verantwortliche Unternehmensführung im Mittelstand), half Interessierten am Montag in Wiesbaden auf die Sprünge. Drei Referenten beleuchteten das Thema Nachhaltigkeitsstrategie und Berichterstattung aus ihrem Blickwinkel.

Leitfäden und Standards für den Nachhaltigkeitsbericht

„Die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten erfolgt nach verschiedenen Leitfäden und Standards,“ erklärt Sophie von Gagern vom Global Compact Netzwerk. Das Global Compact Netzwerk der Vereinten Nationen ist eine weltweite Initiative zur verantwortungsvollen Unternehmensführung.

Im deutschen Global Compact Netzwerk versammeln sich im Moment rund 300 Unternehmen, vom Dax-Konzern über den Mittelständler bis hin zu kleinen Spezialisten. „Aus diesem Grund wurde unser eigener Leitfaden Comunication on Progress (CoP) so erstellt, dass er sich für Unternehmen aller Größen eignet. Der CoP ist ein Rahmenwerk, das die Struktur des Nachhaltigkeitsberichts vorgibt“, sagt Sophie von Gagern.

Die Erstellung eines Nachhaltigkeitsberichts ist ein Prozess, der viele verschiedene Schritte hat und die Entwicklung des Unternehmens spiegelt. Die meisten Schritte sind vorgegeben. Die Unternehmen können, je nachdem, wie weit sie in ihrem Nachhaltigkeitsprozess sind, auf drei verschiedenen Stufen berichten. „Anfänger“ können zum Beispiel als „Learner“ einsteigen. Diese Stufe gilt für ein Jahr. Später folgen die Stufen „Active“ und „Advanced“

„Es gibt bei der Berichterstattung noch viel Ungewissheit und große Unsicherheit,“ stellt Sophie von Gagern fest. Das gilt auch für die Vorgaben in den Leitfäden. Ihre Entwicklung sei ebenfalls ein Prozess.

Es ist möglich, die Vorgaben des Leitfaden CoP mit anderen Berichtsformen zu kombinieren. Zum Beispiel mit den Richtlinien der Global Reporting Initiative (GRI) oder dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex.

Doch egal für welche Berichtsform sich ein Unternehmen entscheidet, die drei wichtigsten Themen der Nachhaltigkeitsstrategie sind stets Ökonomie, Ökologie und Soziales (Triple Bottom Line).

Die Nachhaltigkeitsstrategie im Konzern

Ralph Glodek, Nachhaltigkeitsbeauftragter bei der R+V-Versicherung, dem größten Arbeitgeber am Platz, berichtet von der Umsetzung der EU-Strategie in der Versicherungswirtschaft. „Bisher gibt es nur wenige Unternehmen in unserer Branche, die sich mit dem Thema beschäftigt haben. Wir gehören zu den Vorreitern. Unser erster Nachhaltigkeitsbericht erschien 2014. Wir nutzen die Richtlinien von GRI.“

Die Erstellung des Berichts ist jedoch nur ein kleiner Teil seiner Arbeit, erzählt Ralph Glodek. „Meistens bin ich im Haus unterwegs, um Vorstand und Mitarbeiter für das Thema Nachhaltigkeit weiter zu sensibilisieren.“ Denn alle im und um das Unternehmen müssen mitziehen, damit die Nachhaltigkeit wirklich in allen Punkten gelingt. Das gilt auch für die Lieferanten. „Obwohl wir keine materiellen Güter verkaufen, haben wir rund 3000 Lieferanten. Alle müssen uns jetzt nachweisen, dass sie selber auch nachhaltig wirtschaften.“

Unternehmen, die einen Nachhaltigkeitsbericht erstellen, müssen umdenken. Der Bericht zeigt den Ist-Zustand und der ist häufig verbesserungsfähig. Jede einzelne Abteilung und jeder einzelne Mitarbeiter ist aufgerufen, über seine ganz persönliche Nachhaltigkeitsstrategie nachzudenken. Jedoch: „Ohne die Geschäftsleitung läuft nichts. Wenn der Vorstand nicht mitzieht, kann der Einzelne nicht viel machen.“

Der Nachhaltigkeitsbericht deckt Probleme auf

Christopher Haas, Geschäftsführer von Haas Magnettechnik, einem Familienbetrieb mit 25 Mitarbeitern weist auf die Probleme hin, die ein Nachhaltigkeitsbericht zu Tage fördern kann. „Einige unserer Produkte können ohne umweltschädliche Bestandteile gar nicht hergestellt werden, weil es keine Ersatzstoffe gibt,“ erläutert er. „Das muss dann natürlich auch offen gelegt werden.“

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